Datensilos in der Produktion aufbrechen
ERP kennt die Aufträge, MES die Abläufe, die Maschine die Realität – aber niemand sieht das Gesamtbild. So überwinden Sie Datensilos in der Fertigung.
Das Silo-Problem in der Fertigung
In einem typischen Fertigungsunternehmen existieren Daten in völlig getrennten Welten:
- ERP (SAP, Microsoft Dynamics, proALPHA): Aufträge, Stücklisten, Kostenstellen
- MES: Produktionsaufträge, Rückmeldungen, Arbeitsschritte
- SCADA/HMI: Prozessparameter, Alarme, Sollwerte
- Maschinen: Zykluszähler, Sensordaten, Fehlercodes
- Excel: Alles, was in kein System passt
Jedes System hat seine Berechtigung, seine Nutzer, seine Datenhoheit. Doch für die Frage “Warum war die Produktivität gestern schlecht?” müsste jemand alle diese Quellen manuell zusammenführen.
Warum klassische Integration scheitert
Der Punkt-zu-Punkt-Ansatz
Der intuitive Weg: Jedes System direkt mit jedem anderen verbinden. ERP zu MES, MES zu Maschine, Maschine zu SCADA. Das Ergebnis ist ein Integrations-Spaghetti, das bei jeder Systemänderung kollabiert.
Das Data-Warehouse-Projekt
Der Enterprise-Weg: Alle Daten in ein zentrales Data Warehouse laden. Korrekt modelliert, sauber transformiert, wunderbar analysierbar. Nach 18 Monaten Projektlaufzeit – wenn das Projekt überhaupt fertig wird.
Die MES-Lösung
Der funktionale Weg: Ein MES kaufen, das alles kann. Integration, Analyse, Steuerung. Nach aufwändiger Implementierung stellt sich heraus: Die Realität passt nicht ins Standard-Datenmodell.
Ein pragmatischer Ansatz: Die Datendrehscheibe
Statt perfekter Integration aller Systeme braucht es einen pragmatischen Mittelweg: eine zentrale Datendrehscheibe, die Daten aus verschiedenen Quellen zusammenführt – ohne die Quellsysteme zu ersetzen oder zu verändern.
Prinzip 1: Entkopplung von Quelle und Nutzung
Daten werden aus den Quellsystemen abgeholt und in einem neutralen Format bereitgestellt. Die Quelle muss nicht wissen, wer die Daten nutzt. Der Nutzer muss nicht wissen, woher die Daten kommen.
Prinzip 2: Kontextualisierung statt Normalisierung
Statt alle Daten in ein einheitliches Modell zu pressen, werden sie mit Kontext angereichert: “Dieser Wert stammt von Anlage X, Sensor Y, zum Zeitpunkt Z, beim Auftrag A.” Der ursprüngliche Kontext bleibt erhalten.
Prinzip 3: Schrittweise Erweiterung
Nicht alle Datenquellen müssen von Anfang an angebunden sein. Start mit den wichtigsten Quellen, Erweiterung basierend auf konkreten Anforderungen.
Praktische Schritte zur Silo-Überwindung
Schritt 1: Bestandsaufnahme
Welche Daten existieren wo? Wer nutzt sie? In welchem Format? Wie aktuell müssen sie sein?
Eine einfache Tabelle reicht:
| Datenquelle | Daten | Format | Aktualität | Nutzer |
|---|---|---|---|---|
| SAP | Aufträge | RFC/IDoc | Minuten | Fertigung |
| Siemens S7 | Zykluszähler | OPC UA | Sekunden | Controlling |
| Excel | Stillstandsgründe | manuell | Schichtende | Produktion |
Schritt 2: Priorisierung
Nicht alle Datensilos sind gleich schmerzhaft. Fokussieren Sie auf die Verbindungen, die den größten Mehrwert bringen:
- Auftragsdaten aus ERP + Maschinenstatus = Auftragsfortschritt in Echtzeit
- Qualitätsdaten + Prozessparameter = Ursachenanalyse
- Energiedaten + Produktionsdaten = Verbrauch pro Stück
Schritt 3: Anbindung der ersten Quellen
Beginnen Sie mit den “einfachen” Quellen: moderne Maschinen mit OPC UA, ERP-Systeme mit Standard-APIs. Die schwierigen Fälle (Legacy-Systeme, proprietäre Protokolle) können später folgen.
Schritt 4: Erste Anwendung
Eine konkrete Anwendung, die den Mehrwert demonstriert: ein Dashboard mit Auftragsstatus, ein Report mit Stillstandsanalyse, eine Alarmierung bei Qualitätsabweichungen.
Die Rolle von IT und OT
Die Überwindung von Datensilos ist keine reine IT-Aufgabe. Sie erfordert die Zusammenarbeit von:
- IT: Systemkenntnisse, Schnittstellen, Datenschutz
- OT: Maschinen, Steuerungen, Prozessverständnis
- Produktion: Anforderungen, Kontext, Akzeptanz
Die besten Ergebnisse entstehen in cross-funktionalen Teams, die gemeinsam an konkreten Use Cases arbeiten.
Fazit: Integration als kontinuierlicher Prozess
Datensilos entstehen nicht über Nacht – und sie verschwinden auch nicht über Nacht. Der Schlüssel liegt in einem pragmatischen Ansatz: schrittweise Anbindung, konkrete Anwendungen, kontinuierliche Erweiterung.
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